Was nicht ausfällt - Videogruss am Sonntag Lätare

Veröffentlicht von Björn Borrmann am So., 22. Mär. 2020 10:53 Uhr
Video

Am Morgen des Sonntags Lätare schickt Pfarrer Borrmann ein paar Worte aus der Nikolaikirche. Hier sehen Sie das Video, Sonnenstrahlen auf der Linse inklusive. Das Manuskript folgt hier für alle, die lieber lesen als schauen:

Guten Morgen am Sonntag Lätare, willkommen in der Spandauer Nikolaikirche.
Alles anders als sonst, sie fehlen hier,

Wir sind nur zu zweit hier, um einen Sonntagsgruß aufzunehmen und dann gleich mit vielen zusammen den Fernsehgottesdienst anzusehen. Dieie können das mit Video und Musik viel professioneller als wir hier.

Und trotzdem ist es mir wichtig, heute morgen einen Gruß aus unserer Kirche zu schicken, denn es ist trotzdem Sonntag. Pfarrer Kluge wollte heute morgen hier mit Ihnen feiern, Pfarrerin Ahrens-Cornely am Runden Tisch in der Grunewaldstraße... alles abgesagt.

Seit Tagen ist nichts mehr selbstverständlich,

wir leben so sehr auf Sparflamme, und das ist für mich alles noch immer irgendwie unwirklich.Ich schaue ständig in den Nachrichten danach, welche Einschränkungen noch nötig sein werden, damit es wieder besser wird für alle. Ich sorge mich, wie lange die dieses abgesagte Leben dauern wird.

Und trotzdem: Heute ist der Sonntag Lätare. Halbzeit zwischen Aschermittwoch und Karfreitag, mittendrin in der Passion.Ich will dass ernstnehmen: Mitten im Leid auf die Freude zu achten:

Neulich erhielt ich eine kleine Nachricht auf mein Handy mit dem Titel: "Nicht alles ist abgesagt. "

Da hieß es: Sonne ist nicht abgesagt, Frühling ist nicht abgesagt, Beziehungen sind nicht abgesagt, Zuwendung ist nicht abgesagt, Musik ist nicht abgesagt. Fantasie ist nicht abgesagt, Freundlichkeit ist nicht abgesagt, Gespräche sind nicht abgesagt. Hoffnung ist nicht abgesagt Beten ist nicht abgesagt …

Ja, das stimmt. Stimmt wirklich.

Sehr vieles ist nicht abgesagt. Daran halte ich mich fest, und freue mich. Trotz allem.

Und einiges ist sogar angesagt: Verantwortung ist angesagt, damit kranke und alte Mitmenschen nicht unnötig gefährdet werden. Also bleiben Sie zu Hause, halten Sie Abstand und waschen Sie sich die Hände.

Ein Gedanke an Einsame ist angesagt, denen ein Anruf gut täte oder eine Besorgung in der Stadt. Greifen Sie zum Telefon und rufen Sie doch zwei Leute an: Einen, den sie mögen. Und einen, den Sie bloß „kennen“, und fragen Sie, wie es geht; sie werden sehen: Eine freundliche Stimme rettet den Tag.

Und ich meine, auch ein Gebet ist angesagt für diejenigen, die jetzt schwer erkrankt sind, um ihr Leben ringen. Für alle, die Existenzangst haben. Für unsere anfällige Welt.

Nicht alles ist abgesagt.

Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt

Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen,und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen,spricht der HERR, dein Erbarmer. (Jesaja 54, 10)

Amen.


Jetzt, mein Gott, täten Engel gut.

An unserer Seite und um uns herum.

Denn wir brauchen Mut.

Und Phantasie.

Und Zuversicht.

Darum: Sende deine Engel.

Zu den Kranken vor allem.

Stille

Und zu den Besorgten.

Stille

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden:

Ärztinnen und Pfleger,

Rettungskräfte und Arzthelferinnen,

alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.

Stille

Sende deine Engel zu den Verantwortlichen

in Gesundheitsämtern und Einrichtungen,

in Politik und Wirtschaft.

Stille

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut.

Du hast sie schon geschickt.

Sie sind ja da, um uns herum.

Hilf uns zu sehen, was trägt.

Was uns am Boden hält
und mit dem Himmel verbindet,

mit dir, mein Gott.

Denn das ist’s, was hilft und tröstet.

Jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

(Gebetstext aus dem MitmachGottesdienst für zu Hause, der in vielen Gemeinden gefeiert wird)

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