Wir werden sein wie die Taumelnden

Veröffentlicht von Björn Borrmann am Fr., 27. Mär. 2020 18:00 Uhr
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Zum Wochenende grüßt Pfarrer Borrmann aus der Petrus-Kirche an der Grunewaldstraße, dem Gemeindeteil östlich der Havel. 

Nach dem Werbeblock für unsere Seite, die Sie ja offensichtlich gefunden haben, und dem Angebot, ihn und Pfarrerin Ahrens-Cornely mal anzurufen, teilt er einen Text von Volkmar Schmuck, Krankenhausseelsorger in Wolfenbüttel: 

Wir werden sein wie die Taumelnden 

Am Ende der Tage
Wenn der Hausarrest vorbei sein wird
Wenn wir die Köpfe wieder zu den Haustüren herausstrecken werden
Und uns gegenseitig zurufen: Hurra, wir leben noch!

Dann werden wir die Geschäfte stürmen.
Die Supermärkte werden verstopft sein mit Klopapier, dass keiner mehr braucht.
Und wir werden uns selbst bedienen müssen,
weil die Verkäuferinnen endlich frei haben.

Wir werden uns in die Arme fallen als kämen wir aus der Kriegsgefangenschaft.
Ein Fest wird das andere ablösen.
Jeder Tag wird ein Sonntag sein.
Und dann werden wir wieder auf Arbeit gehen, als gäbe es kein Gestern
Jede Arbeit ein Traumjob
Jeder Kollege einmalig, und wenn er noch so schräg ist

Die Krankenhäuser werden nur noch Normalstationen haben.
Jede normale Krankheit ist kein Problem
Schwestern, Ärzte und Patienten werden sich verschwörerisch zublinzeln.
Haben wir das überstanden, werden wir auch alles andere schaffen.

Die Kirchen werden wegen Überfüllung geschlossen werden.
Liebe Gemeinde, werden wir sagen und es auch von Herzen so meinen.
Soviel Bedeutung haben wir lange nicht gespürt

Und endlich in Urlaub fahren
Als hätten wir die Welt noch nie gesehen
Und die Tränen werden uns kommen,
weil es endlich vorbei sein wird.

Weil das Normale das Außergewöhnliche ist.

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