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Museum Spandovia Sacra: Arbeitsbericht 2020

Museum Spandovia Sacra: Arbeitsbericht 2020
Veröffentlicht am Fr., 1. Jan. 2021 00:00 Uhr
Museum

PREMIERE! Erstmals wird der Jahresrückblick auf die im Museum Spandovia Sacra geleistete Arbeit im Internet veröffentlicht; das im September begonnene Weblog „Materialien aus der Spandauer Kirchengeschichte“ bietet den Rahmen dafür.

Selbstverständlich ist auch unser Betrieb seit neun Monaten von der Pandemie betroffen. Zusätzlich kommt es zu Einschränkungen, die durch die große Baustelle auf dem Reformationsplatz verursacht werden. Dennoch konnte das Museum im Jahr 2020 seine Kernaufgaben (Sammeln, Bewahren, Erforschen, Vermitteln) gut erfüllen. Hier ein Überblick in gebotener Kürze:

Sammeln

Da kein Ankaufetat zur Verfügung steht, ist das Museum Spandovia Sacra darauf angewiesen, seine Sammlung mittels Schenkungen zu vergrößern. Dabei achte ich als Museumsleiterin darauf, dass nur Objekte, die wirklich in unser Sammlungsprofil passen, übernommen werden. Das waren neben antiquarischen Büchern, historischen Dokumenten und zahlreichen Fotos vor allem zwei feine Grafiken. Ein herzliches Dankeschön den Geber*innen!

Was geschieht mit den Gaben? Bücher, z. B. zur Spandauer Geschichte, wandern ‒ solange noch Platz ist ‒ in die Arbeitsbibliothek. Bibeln und Gesangbücher sind wegen ihrer großen Menge ausgelagert und werden nur listenmäßig erfasst. Die historische Kirchenbibliothek mit ihrem Bestand aus dem 15.-19. Jahrhundert ist quasi als Kulturdenkmal in sich geschlossen und sammelt nicht mehr. Dokumente und Fotos aus der Gemeindegeschichte werden archiviert, Kunstgegenstände inventarisiert.

Bewahren

Im Vorjahr konnte das Kirchenbucharchiv unserer Gemeinde endlich in angemessene Räume umziehen. Die letzten Inventurarbeiten wurden im Januar 2020 abgeschlossen. Alle „Schätzchen“ hatten den Umzug gut und vollständig überstanden. Allerdings wurde dann im Sommer das frisch hergerichtete Magazin in der Jüdenstraße durch die Umbauarbeiten für den Spandauer Kirchenkreis verschmutzt. Doch die Bauausführenden waren kooperativ und behoben sorgfältig die kleinen Schäden an Wänden und Fußböden.

In diesem Jahr konnten wir eine Zeichnung der St.-Nikolai-Kirche restaurieren lassen. Sie war vor einigen Jahren durch einen Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogen worden. Jetzt erinnert sie uns wieder daran, wie sie dereinst im Kaufhaus Denninger, Breite Straße, als Schaufensterdekoration gedient hat. Die Restaurierungskosten trug die Versicherung.

Erforschen

Der größte Erfolg im vergangenen Jahr: Geschichtskenner Markus Lange nutzte die Zeit des Frühjahr-Lockdowns und entzifferte die Inschrift auf dem alten Holzbrett, das im Kirchturm steht. Damit verbunden ist die Identifikation des Brettes als Teil des historischen Triumphbalkens von St. Nikolai. Herr Lange und ich berichteten darüber im Gemeindebrief 01/2020, S. 26f. Derzeit diskutieren wir noch, aus welchem Jahrhundert diese Beschriftung wohl stammt.

Anfang Juli 2020 begann die Umgestaltung des Reformationsplatzes (vgl. Titelfoto dieses Beitrags). Das begleitende Archäologenteam legte diverse Relikte aus alten Zeiten frei. Die Funde mussten immer wieder mit den historischen Quellen in unserem Archiv abgeglichen werden. Das gab uns den Anstoß, die vollständige Transkription des entsprechenden Bautagebuchs von 1838/39 zu beginnen ‒ eine mühselige und die Augen belastende Arbeit, die Horst Kosanke ehrenamtlich in bewährter Weise durchführt. An dieser Stelle können wir Verstärkung gut gebrauchen; denn es handelt sich um zwei Folio-Bände mit eng in Kurrent beschriebenen Seiten. Interessierte Forscher*innen melden sich bitte per eMail über museum[at]nikolai-spandau.de. Der Gemeindebrief 4/2020 gibt einen Einblick in die Arbeiten am Reformationsplatz.

Vieles, was zum Feld „Erforschen“ zählt, ergibt sich während der Entwicklung von Ausstellungen und aus der Zusammenarbeit mit den Archiv- bzw. Bibliotheksnutzern. Von einigen Beispielen wird weiter unten berichtet werden.

Vermitteln

Dieses Arbeitsfeld wurde am stärksten von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Alle Bildungsangebote (z. B. Führungen) entfielen bis auf wenige Ausnahmen. Zum Glück konnte der im vorvergangenen Jahr produzierte interaktive 360 Grad-Rundgang durch die Kirche und durch das Museum auf der Webseite von St. Nikolai veröffentlicht werden. Der herzliche Dank geht an die Firma StepInsight.

Nach dem Ende der Weihnachtsausstellung am 2. Februar 2020 bereiteten wir, also die Ehrenamtlichen und ich, die Vitrinen im Erdgeschoss für die neue Präsentation vor: ausräumen, wegsortieren, putzen, neu einrichten − Routine. Am 12. März war alles perfekt fertig. Aber schon am 14. März mussten wir wie alle Berliner Kultureinrichtungen wegen der Ansteckungsgefahr den Betrieb schließen. Anfang Mai durften die Ausstellungen unter strengen Hygieneauflagen wieder geöffnet werden. Leider hielten sich zu wenige an die Bestimmungen, so dass unsere Ausstellungsräume seit Juli (bis zum erneuten Lockdown Anfang November) nur nach Voranmeldung zu besuchen waren.

Zusätzlich zur musealen Ausstellung stellte ich für unsere verwaisten Caféräume eine Auswahl aus der Kunstsammlung der St.-Nikolai-Gemeinde unter dem Motto „Auch St. Nikolai verändert sich“ zusammen. Dabei ergaben sich neue Erkenntnisse über die gezeigten Bilder (vgl. Erforschen). Diese Ausstellung ist auch im Internet zu besichtigen (Teil 1 und Teil 2).

Während der Internationale Museumstag im Mai digital begangen werden musste, ermöglichte Mitte September eine kleine Atempause im Pandemiegeschehen die reale Teilnahme am „Tag des offenen Denkmals“. Am 11.9. hielt Dr. Andreas Stegmann in der St.-Nikolai-Kirche den gut besuchten Vortrag „Die Pest in Brandenburg ‒ Wie die Reformation Epidemien deutete und bewältigen half“, dabei kooperierte Spandovia Sacra mit dem Verein für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte. Am 12. und am 13.9. öffneten unsere Ausstellungen für den Spontanbesuch.

Im September startete ein neues Projekt auf der Webseite von St. Nikolai. Am 1. und am 15. Tag jedes Monats veröffentlicht das Museum Spandovia Sacra Notizen (Posts) aus der langen Geschichte unserer Gemeinde. Inzwischen sind acht Beiträge, die auch ausgedruckt und gesammelt werden können, erschienen. (Der vorliegende Arbeitsbericht 2020 ist der neunte Beitrag.) In dieser Reihe wurde auch die Weihnachtsausstellung 2020 mit Krippen aus aller Welt und historischen Postkarten in Form eines digitalen Adventskalenders einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Einzelne Arbeitsbereiche in alphabetischer Reihenfolge 
Auch hier jeweils nur eine Auswahl der Vorgänge:

Archiv

Die Archivarbeit ruhte zeitweise. Dennoch gelang es, auch während der Schließzeit für die Nutzer*innen tätig zu sein und alle Anfragen per eMail zu beantworten. Sobald es möglich war, wurde der Präsenzbetrieb wieder aufgenommen. Unsere Archiv- und Bibliotheksbestände können ‒ wie immer − nach Voranmeldung vor Ort genutzt werden. Das Haus Reformationsplatz 12 bietet genügend Raum, um sich mit viel Abstand zu verteilen.

Das ehrenamtliche Archivteam (Sibylle Auer, Gertrud, Linke, Barbara Rudolph) unter meiner Leitung arbeitet, wenn auch etwas gebremst, seit dem Herbst wieder regelmäßig. Immer noch ist der große Nachlass, der 2019 an uns übergeben wurde, archivfähig aufzubereiten und zu erfassen. Die Arbeit lohnt sich, da die Verstorbene in ihrer Jugend zum engeren Kreis um Marianne und Martin Albertz gehörte.

Das Thema „Kirche im Nationalsozialismus“ spielte bei den Nutzungsanfragen auch in diesem Jahr eine große Rolle. So wurde unser Archiv u. a. für folgende aktuelle Publikationen konsultiert: „Der Kirchenkampf geht nirgends so gehässig zu wie in Hakenfelde“ und „Max Moelter − Mit aufrechtem Gang durchs 20. Jahrhundert".

Im polnischen Myślibórz (ehem. Soldin/Neumark) entsteht zurzeit eine Biografie über Martin Albertz (1883−1956), der dort, bevor er sein Pfarramt in Spandau antrat, von 1928 bis 1931 als Superintendent wirkte. Im eMail-Austausch konnte auch unser Archiv bereichert werden.

Bibliothek

(Hier finden Sie weitere Informationen über die Kirchenbibliothek von St. Nikolai Spandau.)

An der Universität Warschau wird über den frühen Buchdruck geforscht. Im Online-Katalog VD16 (Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts) fanden die Kolleg*innen drei Schriften des Druckers Johannes Daubmann (gest. 1573), die einzig in unserem Bibliotheksbestand nachgewiesen sind. Damit wurde erneut die hohe Bedeutung der Kirchenbibliothek St. Nikolai unter Beweis gestellt. Da die Warschauer nicht nach Spandau reisen konnten, wurden ihnen per eMail Fotos der Drucke zur Inaugenscheinnahme übermittelt.

In Präsenz wertete eine Medizinhistorikerin Leichenpredigten und Pestschriften, die bei uns bewahrt werden, aus. Im Umfeld der Forschungen des Berliner Kirchenhistorikers Dr. Andreas Stegmann zum Thema „Pest in Brandenburg“ wurde kürzlich bekannt, dass das wohl einzige erhaltene Exemplar der brandenburgischen Pestordnung von 1598 aus Spandau stammt und jetzt im Landesarchiv Berlin zu finden ist.

Eine ehrenamtliche Herkulesaufgabe führte Ralph Brennecke weiter. Ziel ist es, alle in unserer Bibliothek vorhandenen Bücher auch als elektronisches Medium vorrätig zu halten. Mit Hilfe dieser digitalen Bibliothek möchten wir Nutzer*innen noch besser aus der Ferne versorgen können.

Café

Am 8. Januar 2020 öffnete unser Café nach der üblichen kurzen Pause über den Jahreswechsel seine Türen für die Gäste. Es war wie so oft sehr gut besucht. Das Café-Team traf sich am 19. Februar zur Arbeitsbesprechung. Aber … am 14. März war auch für das Museumscafé plötzlich Schluss. Schweren Herzens mussten wir ab diesem Tag den Betrieb geschlossen halten. Als im Mai die Gastronomie wieder öffnen durfte, kam das für uns wegen der Enge des Hauses leider nicht in Frage. Weder in den Gasträumen noch im Treppenhaus können die für den Infektionsschutz nötigen Abstände gewährleistet werden. Als uns die große Baustelle vor dem Haus auch noch die Hoffnung auf einen sommerlichen Terrassenbetrieb zunichte machte, traf sich das Team am 22. Juli ein letztes Mal. Es war schön, alle nach vier Monaten noch einmal (natürlich an der frischen Luft) versammelt zu sehen, aber doch sehr traurig, als ich die Caféschlüssel einsammelte. Danke an: Carla, Christine, Claudia, Jennifer, Leni, Natalie, Nina und Patrick − hoffentlich bis bald! Die St.-Nikolai-Gemeinde nutzt die Zwangspause, um Verbesserungen und Renovierungen des Betriebes durchzuführen.

Das Café zeigt in seinen Gasträumen regelmäßig kleine Kunstausstellungen. So konnte nach der Weihnachtsausstellung, die bis zum 2. Februar lief, am 14. Februar die viel beachtete Präsentation „Mit Ikonen durch das Kirchenjahr“ mit Werken von Tatjana Pauly eröffnet werden. Am 8. März war die Künstlerin beim Kirchencafé nach dem Gottesdienst ebenfalls anwesend und informierte die Gemeinde über ihre Ikonenmalerei. Als die Ausstellungsräume des Museums wieder für das Publikum geöffnet werden durften, waren die Ikonen noch bis zum 12. Juli bei uns zu sehen.

Die anderen für 2020 geplanten Ausstellungen sagte ich pandemiebedingt ab und stellte die bereits oben erwähnte Auswahl aus der Kunstsammlung unserer St.-Nikolai-Gemeinde zusammen, die nun auch online zu besichtigen ist (Teil 1 und Teil 2).

Konzerte unterm Dach

Auch in diesem Arbeitsbereich begann das Jahr 2020 wie geplant. Ich hatte nach längerer Suche endlich ein ehrenamtliches Dreierteam für die Weiterführung der beliebten Reihe „Konzerte unterm Dach“ gefunden. An der Suche im vergangenen halben Jahr hatten sich auch viele Stamm-Musiker*innen beteiligt, denen es wichtig war, die feine Auftrittsmöglichkeit bei uns im Museum Spandovia Sacra zu erhalten. Die gemeinsamen Bemühungen waren letztlich von Erfolg gekrönt. Das neue Team passt super, sowohl fachlich als auch persönlich! Nun sollte es eingearbeitet werden. Für die zweite Jahreshälfte plante ich, mich aus den Musikveranstaltungen zurückzuziehen, um mehr Zeit für die eigentlichen Museumsaufgaben aufwenden zu können. Ein Konzert verursacht mit Vor- und Nachbereitung durchschnittlich sieben Arbeitsstunden. Das sind bei acht Konzerten pro Jahr beinahe anderthalb Arbeitswochen!

Zwei Konzerte fanden statt: Am 24. Januar boten Silke Strauf (Viola da gamba) und Anke Krabbe (Rezitation) das Programm „Time stands still“. Und am 21. Februar durften wir vor vollem Haus Jaspar Libuda mit seinem Kontrabass begrüßen. Die für 14. April und 15. Mai angekündigten Konzerte mussten abgesagt werden. Immerhin konnten wir ein köstliches Trostvideo der „Titans rising“ an unser Publikum weiterreichen.

Was gab es noch im Jahr 2020?

Teilnahme am Schulprojekt „Verantwortung“ des Ev. Kirchenkreises Spandau. Mitarbeitendenbesprechung, Kirchenmusik-und-Kultur-Ausschuss und Gemeindebeirat St. Nikolai. Archivpflegekonvent der EKBO. Neujahrsempfang des Kultursenats. Gemeindeveranstaltungen aller Art. Zuarbeit für die Gemeindebriefredaktion. Die ständigen Gruppen im Haus Reformationsplatz 12 − Turmbläser, Strickcafé, Jogagruppe, Feierabend unterm Dach, Trauergruppe des Kirchenkreises Spandau, Kirchencafé St. Nikolai − konnten wegen der Pandemie kaum durchgeführt werden. 100 Jahre Groß-Berlin; die Sendung "Stadtwärts" des rbb-Kulturradios berücksichtigte auch die Spandauer St.-Nikolai-Kirche und Spandovia Sacra. Der 30. Jahrestag unserer großen Dankglocke wurde mit einem reich bebilderten Artikel im Gemeindebrief 3/2020, S. 25 ff. gewürdigt. Die auf der Dachterrasse des Museums lebenden Bienen waren unbeirrt fleißig (Ertrag: 31,875 kg Honig).

Dieses ungewöhnliche Jahr schloss mit der traditionellen Weihnachtsausstellung ab, die in Form eines digitalen Adventskalenders auf der Webseite von St. Nikolai veröffentlicht wurde. Daran waren neben mir beteiligt: Marlies Kluge-Cwojdzinski mit Jörg Kluge (Krippen), Ingrid Andriessen-Beck (Postkarten), Bernd Eufinger (Fotos) und Gudrun Speidel (Dekoration).

Es bleibt, allen Mitarbeitenden − den Ehrenamtlichen und den Kolleg*innen der St.-Nikolai-Gemeinde − für ihre Mitwirkung zu danken. Ohne sie wäre die Arbeit im Museum Spandovia Sacra nicht zu leisten.

Museumsleiterin Sabine Müller, 31. Dezember 2020


 
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Zitate sind entsprechend zu kennzeichnen.  

Kontakt: Spandovia Sacra − Museum von St. Nikolai
Reformationsplatz 12
13597 Berlin  

www.nikolai-spandau.de/museum
museum[at]nikolai-spandau.de